Vertagspartner

Zwei Fragen beschäftigen Fußballdeutschland: Warum sieht die Büste der Nofretete aus wie der DFB-Pokal? Und warum hat das mit der Vertragsverlängerung von Mirko Slomka eigentlich so lange gedauert? Die Beantwortung der ersten Frage ist ohne Kenntnis der Zeit zwischen der 18. Dynastie Echnaton und heute praktisch unmöglich. Die der zweiten auch. Rückblick. Ende Januar 2010 startet der neue 96-Cheftrainer Mirko Slomka mit einer Niederlage gegen Mainz eine sagenhafte Serie von sechs Spielen ohne Punktgewinn. Von Vertragsverlängerung ist zu diesem Zeitpunkt keine Rede. Erst nach der Pokalniederlage gegen Elversberg kommt das Thema auf den Verhandlungstisch. Slomka würde gern verlängern, die Konditionen sind ihm egal. Der Verein zeigt wie die Mannschaft im Pokalspiel keine Reaktion, beides bereut man in der Führungsetage bis heute. Im Anschluss legt Slomka mit der Mannschaft eine beispiellose Siegesserie hin, was seine Verhandlungsposition grundlegend ändert. Sein Berater ist lange im Geschäft und hat bei Vertragsverhandlungen die Ruhe weg. Er arbeitet für Löw, Sammer, Olli Pocher und Nofretete. Erste lockere Vertragsgespräche finden wie bei 96 üblich in der Subway-Filiale Hildesheimer Straße statt. Slomka nimmt ein Footlong Chicken Teriyaki auf Honey Oat Bread mit Frischkäse und Mexican Southwest Sauce. Dazu möchte er 18 Millionen pro Jahr, zwölf Jahre Laufzeit und drei neue Spieler. Jörg Schmadtke nimmt eine Gurke. 96 lehnt ab. Als Zeichen guten Willens zahlt Schmadtke die volle Subway-Rechnung. Man verhandelt weiter. Kurz vor Weihnachten, Subway. Slomka nimmt Turkey Breast auf Cheese Oregano Bread mit Schmelzkäse und Honey Mustard Sauce und hat seine Bedingungen modifiziert: Zwölf Millionen, drei Jahre Laufzeit, 18 neue Spieler. 96 zögert, Schmadtke weigert sich, Slomkas Käse zu übernehmen. Slomka sieht die Vertagspartner auf einem guten Weg und schaltet über den Jahreswechsel sein Handy aus. Januar 2011: Sieg in Frankfurt, anschließend Treffen im Subway: Schmadtke bietet ein Doublesize Chicken Fajita mit allen Saucen, drei Millionen, 18 Jahre Laufzeit, zwölf neue Spieler und eine Poolpumpe zur privaten Nutzung. Slomka hat keinen Hunger und nimmt nur einen doppelten Winterkorn. Im Vertrag entdeckt er die Formulierung „Mikro Slomka“, beklagt sich über mangelnde Wertschätzung und lehnt ab. Sein Berater hat andere Sorgen: Er versucht dem HSV erst Olli Pocher und dann Matthias Sammer anzudrehen. In der Woche vor dem Schalke-Spiel ist der Anschlussvertrag nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten endverhandelt. Slomka möchte noch mal drüberlesen. In den Unterlagen entdeckt der Erfolgstrainer erneut einen Schreibfehler. Schmadtke versichert glaubhaft, er habe keine Ahnung wie die Buchstaben v und w in „Mivko Slowka“ gerutscht sein könnten. Keine Unterschrift. Montag: Wolfsburg hat gewonnen, Schmadtke gute Laune, Slomka keinen Hunger. Sein Berater verkauft Sammer nach Ägypten, der HSV-Aufsichtsrat berät die Personalie Nofretete. Mittwoch: Slomka unterschreibt bei 96. Enttäuschung bei Subway.

Der Platzwart

3 Kommentare

  1. Susekind sagt:

    Mikro Slomka……. :-D … jetzt verstehe ich das mit der Wertschätzung….. :-D ….

  2. Frank Uhlhorn sagt:

    Das ist die beste Glosse, die ich jemals in der Zeitung gelesen habe! Hua, hua, der HSV verhandelt die Personalie Nofretete. Chappeau und da capo!!!

  3. Schulzinho 1896 sagt:

    Kannst du nicht mal was über den Bildartikel mit Schulz schreiben?

    Ich halte es ja für eine Ente…

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