Luftnummer

Die Welt verändert sich, und selbst Hannover 96 nimmt an diesem Prozess teil. Über die Entwicklungsstufen Maschseeputtel, Mittelfeldraupe, Konternummer ist 96 in der Businesslounge der Bundesliga angekommen. Fremdsprachen, Auslandsreisen, Jetlag, Zeitzonen, ein rastloses Leben im Flieger zwischen Kopenhagen und Brügge.

Dazwischen ein einziger Siegesrausch. Gut, hier und da und da und da mal ein Remis. Aber verlieren? Manchmal erzählen die älteren Spieler den Jüngeren von Niederlagen, die sie selbst noch miterlebt haben und blättern dabei durch das Album mit den Schwarz-Weiß-Fotos. Der Erfolg hat Gründe: Christian Panders Ecken sind so gefährlich, dass Gegner wie Stuttgart gar keine Abwehrspieler mehr in den Weg stellen. Jan Schlaudraffs Elfmeter sind so unberechenbar, dass sich Torhüter vor ihm anerkennend in den Staub werfen. Schlaudraff hat sich vorgenommen, die nächsten beiden Elfmeter mit der Hacke und dem Kopf zu verwandeln. Und der zurzeit einzige Saltostürmer der Liga trifft natürlich auch für Hannover. Mame Diouf ist die erste 96-Luftnummer seit Diet-„Air“ Schatzschneider, der seine Tore bis heute mit einem achtfachen Flickflack zu feiern pflegt.

Zudem ist Hannover derzeit Weltranglistenerster im Vertragsverlängern: Mit Schmiedebach, Zieler, Haggui, Schlaudraff, Ya Konan, Schulz und Pander hat Schmadtke bereits um insgesamt 49 Jahre verlängert. Emanuel Pogatetz hält Hannover für eine „liebe Stadt“, unterschreibt bis 2030 und möchte danach Oberbürgermeister werden. Und seit Martin Kind den irischen Billigeinkauf Primark nach Hannover geholt hat, sehen auch Shopstürmer Moa Abdellaoue und Modelathlet Lars Stindl ihre Zukunft in der Fashionmetropole Hannover.

Steve Cherundolo dagegen ist aktiver Selbstverlängerer mit dem Haustürvertragsmodell „Zeitschriftenabo“: Noch ein Spiel, und der Kontrakt läuft automatisch weiter. Wenn er mit den USA noch Weltmeister werden will, spielt er noch, wenn Pogatetz längst OB ist. Cherundolos Kapitänsamt wird probehalber schon mal in der Mannschaft herumgereicht. Gegen Stuttgart war Karim Haggui nur deshalb nicht Bindenträger, weil Schlaudraff als solcher auf dem Spielberichtsbogen stand. Wie viele Ersatzspieler von 96 gerade versuchen, in „Word“ einen Spielberichtsbogen nachzubauen, ist nicht bekannt. Falls aber in Dortmund überraschend Daniel Royer die Mannschaft aufs Feld führt, sollte man sich nicht wundern.

Dann hat 96 bereits das Däumchen gedreht und steht im Achtelfinale. Gegen Lüttich, Belgien. Die Auslosung fürs Viertelfinale kann man sich sparen. 96 fährt direkt nach Anderlecht.

Der Platzwart

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