Alpin Lala

München, ein trister Tag im April. Die Geschäftsstelle des FC Bayern München. Uli Hoeneß, Kalle Rummenigge und Franz Beckenbauer sitzen bei Notbeleuchtung an einem Tisch. Christian Nerlinger putzt nebenan alte Pokale mit Sidol. Bayern hat gerade gegen Dortmund die Meisterschaft verloren. Der zweiten Mannschaft, chancenlos gegen das Starensemble der SG Sonnenhof Großaspach, droht das Schicksal der ersten Herren – Bedeutungslosigkeit. „Weltklassespieler“, murmelt Hoeneß. „Wir brauchen mehr Weltklassespieler!“ Rummenigge bringt Iniesta, Xavi, Messi, Villa, Kaka, Ribéry und Ronaldo ins Spiel. Langes Schweigen. Beckenbauer steht auf, rückt die Brille nach hinten und zieht die Hose in den Kaiserschritt. Stille. Dann, zwei Worte: „Altin Lala!“

Die Vertragsverhandlungen gestalten sich schwierig. Die Lizenzspieler-Abteilung der Bayern braucht vier Tage, um Hannover auf der Landkarte und Hannover 96 im Internet zu finden. Vielleicht ist die bayerische Power-Suchmaschine Google-Hupf doch nicht so gut. Die Vertragsverhandlungen führen Uli Hoeneß und Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger persönlich. Beide haben runzlige Finger, Nerlinger vom Sidol. Auf dem Tisch liegt ein 5-Jahresvertrag. Lala lehnt ab. Er will sich seine sportliche Zukunft offen halten, sieht die Bayern mehr als Sprungbrett. Der Taktiker Hoeneß wirbt damit, dass Mehmet Scholl zu den Bayern zurückkehrt. Scholls Schienbeine und Altin Lala kennen sich gut, ein Punkt für Hoeneß. Hoeneß zeigt Altin Lala Bilder vom Bayern-Trainingszentrum, von Münchens Innenstadt, vom Chiemsee und vom Oktoberfest. Altin Lala zeigt dem Bayern-Duo ein Foto vom Steintor, vorne links seine Lieblings-Eisdiele, hinten rechts Kö-Back mit Dürüm Döner für 4 Euro. Nerlinger ruft Franz Beckenbauer an, faxt das Foto an die Bayern-Geschäftsstelle. Zwei Stunden Warten. In der Zwischenzeit entdeckt Uli Hoeneß beim Blättern in der Apotheken-Umschau, dass Christian Nerlinger gebürtiger Dortmunder ist. Hoeneß bestellt per Handy einen Fünfliter-Kanister Sidol. Franz Beckerbauer meldet sich. Alles klar, der Münchener Marienplatz bekommt eine neue Eisdiele, im Hofbräuhaus gibt’s ab sofort neben Hendl, Lendl, Nudl und Strudl … Dürüm Döner für 4 Euro.

Altin Lala zögert weiter, gibt zu bedenken, dass München nicht Hannover sei. München sei nicht mal Fulda oder Tirana. Lala will von Hoeneß wissen, wie die mittelfristige Planung der Bayern aussieht. Lala ist es gewohnt, auf der internationalen Bühne zu spielen. Hoeneß schweigt, Lala zieht den ultimativen Joker: zwei Vertragsangebote, AC Mailand III und Borussia Dortmund II. Das sitzt. Beckenbauer hatte gewarnt, ein Fall Reus dürfe sich nicht wiederholen. Hoeneß unterschreibt alles, was Altin Lala ihm vorlegt: Einjahresvertrag, 15 Millionen plus Prämien, direkte Flugverbindung Lala-Langenhagen-Lala, Drogerie- statt Viererkette. Bei der SG Sonnenhof Großaspach schieben sie sich Schienbeinschoner unter die Stutzen. Der Alpin Lala kommt.

Der Platzwart

13 Gedanken zu „Alpin Lala

    1. Südstadtwirt

      Carmann,

      sieh es als Chance, Kultur unter’s breite (!) Volk zu bringen. Wir können den Platzwarten nicht noch 5 zusätzliche Termine im Kala zumuten, und den Nachbarn auch nicht. Und die Stimmung machen ja immer noch wir, gelle.

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  1. andyice

    Wir in Hannover brauchen uns über Weltklasse nicht zu unterhalten. Selbst unser Platzwart hat dieses Niveau, wie schaut es in Bayern damit aus !!!

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  2. Klaus

    Scheinbar als nicht Bayer und nicht Hannoveraner auch nicht zu verstehen…soll das witzig sein? Ähnlich trist wie die Stadt itself.

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  3. Der Platzwart

    Oder ist mit “die Stadt its Elf” vielleicht sogar Hannover 96 gemeint? Dann ist Klaus vielleicht der Allofs. Diese Bremer …

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  4. Cougar

    Ich vermute eher, dass Klausi der verdeckte humoristische Reingrätscher der Bayern ist. Schließlich war Augenthalter früher für sein Spielwitz bei den Gegner auch gefürchtet.

    Es kann aber auch in der Tat Klaus A. aus B. sein, der sich als Nachfolger für Schaddi bewerben möchte und sich ohne Bezahlabo bei der HAZ nur beim Platzwart seriös über die Roten informieren kann.

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